Ausstellungsinhalte

Mehr als 65 Jahre sind mittlerweile seit der Befreiuung vom Nationalsozialismus in Europa vergangen. Es leben nur noch wenige Menschen, die die Zeit bewusst miterlebt und heute noch darüber berichten können. Die den Deutschen einst diagnostizierte „Unfähigkeit zu trauern“ ist einem moralischen Erinnerungsgebot gewichen. Über das Verständnis von historischer Verantwortung sowie Trauer und Erinnerung laufen in Deutschland heftige Debatten. Durch die Ausstellung „Dresden-Pieschen 1933-1945″ werden historische Fakten in die Alltagsgeschichte eines Stadtteils eingebettet. Dabei soll Vergangenheit nicht bewältigt, sondern es sollen die Augen für die Vergangenheit geöffnet werden, um daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Die Ausstellung „Dresden-Pieschen 1933-1945″ gliedert sich in vier Bereiche.

In einer Einleitung wird dem Aufstieg der NSDAP in Dresden nachgegangen. Die gesellschaftliche Gleichschaltung nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wird beleuchtet.

Judenverfolgung

Ein ausgeprägter Antisemitismus und die so genannte Rasselehre bildeten für die Nationalsozialisten die Grundlage, um neben politischen Gegner_innen auch Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und psychisch Kranke zu verfolgen. Sie galten als rassisch minderwertig und waren daher zu vernichten. Allein sechs Millionen Jüdinnen und Juden kamen im Holocaust um. Anhand einzelner jüdischer Familien aus Pieschen wird die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung erzählt. Der Holocaust geschah nicht nur in Berlin-Wannsee, in Auschwitz oder Treblinka, sondern auch in der Dresdner Bürgerstraße, der Konkordienstraße, der Großenhainer Straße und an vielen anderen Orten direkt vor der eigenen Haustür.

NS-Täter

Unter den Dresdner-Parteifunktionären spielten der sächsische Gauleiter, Ministerpräsident und Reichsstatthalter Martin Mutschmann sowie der Leiter des Judenreferats der Gestapo Henry Schmidt eine herausragende Rolle. In Pieschen war Johannes Clemens bekannt und gefürchtet. Victor Klemperer beschrieb ihn in seinen Tagebüchern als Teil des Trios „der Spucker, der Schläger und der Brüller“. Unter den Nationalsozialisten machte auch er rasch Karriere und stieg im Sicherheitsdienst und in der SS auf.

Zwangsarbeit

Im nationalsozialistischen Deutschland war die Zwangsarbeit ein Massenphänomen. Ab 1933 wurden Menschen zur Arbeit gezwungen. Zwischen 1939 und 1945 kletterte die Zahl der Zwangsarbeiter_innen im Deutschen Reich auf etwa 20 Millionen. In der Ausstellung wird die Zwangsarbeit in Dresden allgemein und in Pieschen im Besonderen dargestellt. Herausragendes Beispiel hierfür sind die Goehle-Werke der Firma Zeiss-Ikon in Pieschen, in denen zahlreiche Menschen Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten mussten.

Widerstand

Während sich der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung mit dem nationalsozialistischen Regime arrangierte oder es gar unterstützte, gab es auch einzelne Menschen, die Widerstand leisteten. In Dresden-Pieschen lehnten sich neben antifaschistischen Widerstandskämpfer_innen vor allem Personen aus kirchlichen Kreisen gegen das NS-Regime auf. Anhand von Orginaldokumenten und Leihgaben der Familie wird die Geschichte des Pieschener Antifaschisten Robert Matzke erzählt.

Die vorliegende Ausstellung ist nur ein Anfang zur Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Stadtteils und der Landeshauptstadt Dresden. Mehr als 65 Jahre nach Beendigung des nationalsozialistischen Terrors ist vieles noch nicht aufgearbeitet, bleiben noch zahlreiche offene Fragen. Die Ausstellung möchte auch dazu einladen an diesen Fragen weiterzuarbeiten.

Die Ausstellung wird von einem Veranstaltungsprogramm begleitet. Geplant sind Vorträge über den Nationalsozialismus in der bundesrepublikanischen Erinnerungskultur, das Projekt „Dresdner NS-Täter“ sowie die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Dresdens 1933-1945 und eine Filmvorführung.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Flyer zur Ausstellung.





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